23. Jahresbericht

Die Claudius Bayerl Stiftung besteht inzwischen seit 23 Jahren – sie wurde am 5.12.2001 als Vermächtnis unseres verstorbenen Sohnes Claudius Bayerl ins Leben gerufen. Mit diesem 23. Jahresbericht stellen wir die Aktivitäten im Jahr 2024 dar.

In diesem Jahr lag das Spendenaufkommen bei knapp über 30.000 € und ermöglicht und gewährleistet die so wichtige und kontinuierliche Unterstützung für die Straßenkinder!

Einige Aktivitäten im Jahr 2024 sollen hier besonders aufgeführt werden:

  • Die Kollekte des ökumenischen Gottesdienstes sowie des Jahresabschlussgottesdienstes der evangelischen Kirchengemeinde Manching kam wieder den Straßenkindern zu Gute – ein herzliches Dankeschön an den Kirchenvorstand und an die Kirchenbesucher.
  • Familie Schweiger aus Oberstimm erzielte wieder eine stattliche Summe, indem sie auch 2024 viele Barthelmarktbesucher auf ihrem Anwesen parken ließ und um eine Spende für die Stiftung bat.
  • Am 21.09.2024 fand in der Wallfahrtskirche am Kalvarienberg in Pobenhausen ein Benefizkonzert für die Claudius Bayerl Stiftung statt – mit meisterhaften Klängen drei verschiedener Musikgruppen: vom Blechbläserquartett „quattro stagioni“, dem Duo Ziachzupfer und dem Klarinettentrio Rainer Maier. Insgesamt wurden 1800.- € gespendet
  • Vom 30.11.-01.12.2024 gab es zum zweiten Mal einen Stand am Christkindlmarkt Oberstimm: von Angelika Bayerl wurden selbstgestaltete Weihnachtskarten und Karten zu besonderen Anlässen sowie mit der „Dotting-Technik“ verzierte Büchlein und Steine verkauft. Zudem hat die Künstlerin Lia Steib Aquarelle zum Verkauf gespendet – ganz herzlichen Dank! Der Gewinn der handgefertigten Geschenke sowie die großzügigen Spenden gingen zugunsten unserer Straßenkinderprojekte in Brasilien und Simbabwe.
  • Auch wurden wieder mehrere „runde Geburtstagsfeiern“ im Freundes- und Verwandtenkreis abgehalten, wo die Jubilarinnen und Jubilare auf Geschenke verzichteten. Dadurch kamen große Summen für die Straßenkinder zusammen. An die Geburtstagskinder und an alle geladenen Gäste ein ganz herzliches Dankeschön für diese Großzügigkeit! Auch bei einer Beerdigung wurde wieder gebeten, statt Blumen eine Spende an die Stiftung zu überweisen – auch für diese Spenden bedanken wir uns ganz herzlich.

Die gespendeten Gelder wurden auch 2024 wieder für die bereits bekannten Projekte verwendet:

1. Unterstützung von Kindern in Simbabwe

In Simbabwe ist der Hunger erschütternd: über die Hälfte der Bevölkerung hungert. Die Welthungerhilfe schätzt die Lage in Simbabwe als „sehr ernst“ ein, die höchste Stufe des Welthungerindex. Die Arbeitslosigkeit ist weiter äußerst hoch und es ist bisher keine Veränderung in Sicht. Obwohl es kaum vorstellbar ist, steigt die Inflationsrate immer weiter an, was extreme Preissteigerungen zur Folge hat. Viele Eltern sind kaum mehr in der Lage, ihre Kinder mit Nahrung zu versorgen, geschweige denn, für Schulgelder oder medizinische Versorgung aufzukommen, denn auch die Schulgebühren für Kinder wurden massiv angehoben. Auch hat der Staat kein Geld mehr für die Müllabfuhr – entsprechend türmen sich die Abfälle am Straßenrand.

  1. Unterstützung der Suppenküche „Trust Lord Orphan Care“ in Kambuzuma

In der Suppenküche „Lord Orphan Care“ in Kambuzuma, einem Vorort der Hauptstadt Harare, werden seit nunmehr 16 Jahren täglich 80 bis 100 Kinder und Jugendliche versorgt. Die Eltern dieser Kinder sind entweder extrem arm, verstorben oder sehr krank und können sich dadurch nicht um die Kinder kümmern. Oftmals leben diese Kinder in den armseligen Behausungen ihrer Verwandten, wo sie mehr geduldet als erwünscht sind. Engagierte ehrenamtlich tätige Helferinnen und Helfer, die teilweise selber als Waisenkinder aufgewachsen sind, kümmern sich darum, dass diese Kinder trotz der widrigen Lebensumstände morgens und abends mit warmer Nahrung versorgt werden. Auch am Nachmittag werden die Kinder betreut und bei ihren Hausaufgaben unterstützt. Für Schulgebühren, für Kleidung, warme Decken, für Seifen, Zahnbürsten und andere Hygieneartikel wird ebenfalls gesorgt. Wenn ein Kind krank ist, werden die Kosten für Arztbesuche und nötige Operationen von Spendengeldern bezahlt. So konnte z.B. das Leben eines jungen Mädchens mit Blinddarmdurchbruch gerettet werden.

Die Suppenküche kann sich inzwischen zum Teil selber finanzieren durch das Halten von Hühnern und dem dadurch möglichen täglichen Verkauf von etwa 30 Eiern und durch den Verkauf von Uniformen, die in der Nähwerkstatt genäht werden und guten Absatz finden.

In der ganzen Umgebung hat die Suppenküche einen guten Ruf und die Menschen wissen, dass bedürftige Kinder dort Hilfe erfahren. Den Kindern bliebe ohne das Essen und die Möglichkeit des Schulbesuchs nur das Betteln auf der Straße oder das Wühlen im Müll nach Essen und brauchbaren Gegenständen.

Um dem Kreislauf von Armut, Hunger und Betteln zu entkommen, ist es sehr wichtig, dass auch die Jugendlichen eine berufliche Perspektive erhalten. So wird viel Energie verwendet, um sie beim Finden einer Ausbildungsstelle zu unterstützen, wo sie auch ein Abschlusszertifikat erhalten, um am Ende der Ausbildung die Aussicht auf eine bezahlte Arbeit zu haben. So werden in der Nähwerkstatt weiterhin Näherinnen ausgebildet; auch Schwesternhelferinnen, Köchinnen, Friseure, Gärtner, Köche und Schweißer wurden wieder ausgebildet. Einigen Jugendlichen mit einer fertigen Schweißerausbildung wurde ein Schweißgerät als Leihgabe finanziert. Sie haben sich verpflichtet, einen Teil ihres Lohns zu verwenden, um das Schweißgerät langsam abzuzahlen. Eine ausgelernte Schneiderin hat vier neue Schülerinnen angenommen, die sie ausbildet.

b) Engagement für Kinder von blinden Müttern im Slumviertel von Epworth: „Ray of Vision“

Auch die Unterstützung der Kinder von blinden Müttern im Slumviertel Epworth, am Rande von Harare, ging 2024 weiter: Das seit 2016 angemietete kleine Haus mit Garten ist nach wie vor wöchentlicher Treffpunkt für 22 blinde Mütter mit ihre etwa 90 Kindern. Bei diesen Treffen, die den blinden Frauen sehr wichtig geworden sind, können sie sich austauschen, singen, beten, tanzen und an Vorträgen teilnehmen. Mittags kommen die Schulkinder und es gibt für alle eine warme Mahlzeit. An drei Nachmittagen üben die Schülerinnen und Schüler lesen, schreiben und rechnen. Auch sie bekommen Kleidung und Hygieneartikel. Aufgrund der mehrjährigen Unterstützung ist es gelungen, das Betteln zu reduzieren. Da auch das Schulgeld bezahlt wird, können die Kinder die Schule besuchen.

In dem kleinen Haus werden inzwischen zusätzlich etwa 22 Straßenkinder vom 2020 gegründeten Projekt „Freedom from hunger mit Nahrung versorgt. Wie bereits berichtet, hat ein ehemaliges Straßenkind zusammen mit ihrem Mann und inzwischen einer weiteren Helferin aufgrund der starken Not der Straßenkinder dieses Projekt gegründet. Freiwillige Helferinnen und Helfer versorgen hungernde und teilweise kranke Kinder im Alter von 3-16 Jahren. Sie bekommen eine warme Mahlzeit und werden unterstützt bei dringend benötigen Arzt- und Klinikbesuchen. Während in der Vergangenheit in unregelmäßigen Abständen unterrichtet wurde, sind inzwischen mehrere Frauen bereit, die Kindern kontinuierlich zu unterrichten. Den Kindern geht es inzwischen gesundheitlich merklich besser. Die Familien der Kinder werden mit Lebensmitteln und mit warmen Decken für die kalten Winternächte versorgt.

Auch diese Jugendlichen werden unterstützt beim Finden von Ausbildungsmöglichkeiten z.B. als Schweißer, Näherin, Friseurin, Schreiner oder Gärtner. Für Computer- und Schwesternhelferinnenkurse wurden ebenfalls die Gebühren bezahlt. Die Kinder und Jugendlichen kümmern sich weiter um den großen Garten rund um das angemietete Haus und ernten wertvolles Obst und Gemüse. Neben den beruflichen Fähigkeiten wird durch die Arbeit das Selbstbewusstsein gefördert und sie sind zu Vorbildern für andere Heranwachsende geworden. Obwohl der Verdienst nach der Ausbildung nicht sehr hoch ist (ca. 150 $ pro Monat), sind sie in der Lage, mit ihrer Arbeit ihre Familien zu unterstützen.

2. Unterstützung von Straßenkindern in Parnaíba – im Nordosten Brasiliens

Das Amazonasbecken, das wasserreichste Gebiet der Erde, das sich über neun Bundesstaten erstreckt, erlebt die schlimmste Trockenheit seit 120 Jahren. Die Pegelstände der wichtigsten Flüsse sind so schnell gesunken wie nie zuvor. Als Folge treten gravierende Schäden für Pflanzen und Tiere auf. Es gibt riesige Probleme für die Versorgung von Siedlungen und Städten über die Wasserwege. Insbesondere im Südosten von Brasilien konzentriert sich die Wohnungslosigkeit. Die Zahl der obdachlosen Menschen in Brasilien ist im ersten Quartal 2025 leicht angestiegen. Seit 2013 steigen die Zahlen kontinuierlich an. Von 22.900 Obdachlosen wuchs die Zahl bis 2025 auf das 14,6-Fache. Das »Zisternen für Alle«-Programm wird durch die Bundesregierung über das Ministerium für Entwicklung, Sozialhilfe, Familie und Hungerbekämpfung (MDS) finanziert. Es gibt kaum ein Land, in dem die Schere zwischen Arm und Reich so weit auseinanderklafft wie in Brasilien – und der Nordosten, das Armenhauss Brasiliens, ist davon am meisten betroffen. Hier gedeihen Kriminalität, Drogenkonsum, Prostitution, und Straßenkinder sind diesen Gefahren am meisten ausgesetzt. Reichtum und Armut liegen in Brasilien dicht beieinander. Hunger, beschämende Armut, die Marginalisierung der Schwarzen und Indianer, vor allem jedoch die Konzentration des Landes in den Händen weniger machen das Leben für Millionen Menschen menschenunwürdig. Das Einkommen liegt im Nordosten um 40 Prozent unter dem im Süden Brasiliens. Die Lebenserwartung liegt bei nur 52 Jahren, 121 von 1000 Kindern sterben, bevor sie das sechste Lebensjahr erreicht haben. In der Küstenregion, die mehr und mehr vom internationalen Tourismus erschlossen wird, bieten sich mehr als 500.000 Mädchen als Prostituierte an. Zehn Millionen Kinder müssen sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Hunderttausende „Nordestinos“ verlassen Jahr für Jahr die ländlichen Gebiete auf der Suche nach einer Zukunftsperspektive. Sie sehen ihre Chance in den Großstädten – und landen in den Elendsvierteln.

Die wirtschaftliche Gesamtlage in Brasilien verbessert sich etwas. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat die Sozialpolitik erneut auf die Tagesordnung gesetzt. Dass die Regierung Lula auch im stark umkämpften Bereich Arbeitspolitik Erfolge verzeichnet, bescheinigt der kürzlich erschienene Gewerkschaftsmonitor der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES). Genannt wird die Erhöhung des Mindestlohnes sowie Maßnahmen gegen sklavereiähnliche Arbeitsverhältnisse. 

Altbischof Alfredo Schäffler kümmert sich trotz seines Alters nach wie vor sehr aktiv um die von ihm aufgebauten Sozialzentren, koordiniert deren Unterstützung, verwaltet die Spendengelder und ist für uns Ansprechpartner bzgl. der gespendeten Gelder. Die Wasserknappheit im Nordosten Brasiliens ist nach wie vor ein großes Problem, weshalb weiter Kredite zum Bau von Zisternen vergeben werden. Das Programm zur Versorgung und Betreuung von jungen Frauen und deren Babys und Kleinkinder mit dem sogenannten „Vitaminbrei“ wurde im Jahr 2024 ebenfalls weitergeführt. Die Versorgung und Betreuung von Kindern im Sozialzentrum „São Claudio“ wird weiter unterstützt und auch die Nähkurse für Frauen werden nach der „Coronapause“ wieder angeboten.

Kontaktieren Sie uns gern für Fragen, Anregungen oder zusätzliche Informationen!